Ernst-Röver-Orgel Gera

Erbaut wurde das Instrument der Geraer St.-Salvator-Kirche um 1903  von Orgelbaumeister Ernst Röver aus Hausneindorf mit pneumatischer Ton- und Registertraktur und pneumatischen Kastenladen, Prinzip Röver.

Restauriert wurde das Instrument 1998 – 2003.

Die Rekonstruktion der großen romantischen Disposition war die Hauptaufgabe der Arbeiten zwischen 1998 und 2003, welche in vier Etappen ausgeführt wurden. Durch neobarocke Umdisponierungen 1958 und 1978 mussten 19 Register teilrekonstruiert bzw. komplett rekonstruiert werden.
Besondere Herausforderung: die Herstellung des ersten offenen 16-Fuß-Holzregisters der Werkstatt, der Violonbaß 16’. Auch in der Metallpfeifenwerkstatt wurden damals die ersten 8-Fuß-Streicher-Register für dieses Projekt hergestellt. Die Rekonstruktion der zahlreichen Flötenregister des Schwellwerkes war eine weitere große Aufgabe für unser Team.
In Würdigung unserer denkmalpflegerischer Leistung für die Arbeiten erhielten wir am 12. September 2003 den Handwerkerpreis der Stadt Gera im Rahmen des Denkmaltages.
Im Herbst 2014 wird das Instrument 111 Jahre alt! Ich selbst freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich die Orgel höre oder sie interessierten Organisten vorstellen darf, so zuletzt dem Berliner Domorganist i.R. Michael Pohl jetzt im Juni 2014. Möge das Instrument lange zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gemeinde erklingen!

Helmut Müller – von 1968 bis 2005 Kantor in der Geraer St.-Salvator-Kirche – erinnert sich: "Als ich meine Tätigkeit begann, fand ich eine Orgel vor, die zwar noch ganz gut in Ordnung, aber keinesfalls mehr die Original-Orgel von 1903 war. In den 1960er und 1970er Jahren waren die Register verändert worden, dem barocken Klangideal angepasst. Der warme, etwas dunklere Klang einer romantischen Orgel musste einem helleren Klang weichen. Die Orgelregister wurden auseinander gerissen und zu neuen Registern verarbeitet. Dadurch wurde ein Organismus zerstört, die Register mischten sich nicht mehr gut. Nach gründlicher Überlegung durch Orgelsachverständige, Orgelbaumeister, Gemeindekirchenrat und mich als Kantor fiel die Entscheidung für eine Rückführung der Orgel auf ihren Originalzustand von 1903."

Die 1903 im Jugendstil errichtete Innenausstattung der Salvatorkirche wurde mit der Orgel von der Orgelbaufirma Ernst Röver aus Hausneindorf bei Quedlinburg gekrönt. Als ein Befürworter ihrer Sanierung hin zum einstigen Zustand schrieb der damalige Orgelsachverständige Dr. H. Haupt aus Jena 1998: "Leider wurde die in romantischer Klangkonzeption gestaltete und als Denkmalwerk von hohem Wert eingeschätzte Orgel nach dem zweiten Weltkrieg erheblich umgestaltet. Eine Restaurierung wird im Hinblick auf den Denkmalwert und die Bedeutung der Orgelbauwerkstatt Röver als repräsentative Firma ihrer Zeit seitens des Thüringischen Landesamtes für Denkmalschutz empfohlen."

Die Röver-Orgel besitzt 2013 Pfeifen. Da Pfeifen fehlten oder sehr schadhaft waren, mussten 507 Pfeifen neu gefertigt werden. Die Arbeiten an der Orgel zogen sich von 1999 bis 2003 hin und kosteten 185 000 DM. Finanziert wurde die Restaurierung durch Kirchgemeinde, Landeskirche, Lottomittel, das Land und Privatspenden.

Für ihre originalgetreue Sanierung 100 Jahre später erhielt der Vogtländische Orgelbau Thomas Wolf 2003 den Handwerkerpreis der Stadt Gera.

(Quelle: Ostthüringer Zeitung, 12.10.2013)

Disposition

I. MANUAL/HAUPTWERK C – f³

1. Bordun 16' Holz, Teilrekonstruktion
2. Principal 8' Zink, Zinn Teilrekonstruktion
3. Gambe 8' Zinn Teilrekonstruktion
4. Hohlflöte 8' Holz Teilrekonstruktion
5. Gemshorn 8' Holz, Zinn original
6. Dolce 8' Holz, Zinn original
7. Zartgedackt 8' Holz, Zinn original
8. Octave 4' Zinn original
9. Gambette 4' Zinn Rekonstruktion
10. Rohrflöte 4' Zinn original
11. Quinte 2 2/3' Zinn Teilrekonstruktion
12. Octave 2' Zinn Teilrekonstruktion
13. Cornett 5fach 5 1/3' Zinn Teilrekonstruktion
14. Mixtur 4fach 2 2/3' Zinn Teilrekonstruktion
15. Trompete 8' aufschlagend original

II. MANUAL/SCHWELLWERK C – f³

16. Gedackt 16' Holz, Zinn original
17. Geigenprincipal 8' Holz, Zinn Teilrekonstruktion
18. Salicional 8' Zinn Teilrekonstruktion
19. Offenflöte 8' Holz, Zinn Rekonstruktion
20. Fernflöte 8' Holz, Zinn Rekonstruktion
21. Aeoline 8' Holz, Zinn Teilrekonstruktion
22. Voix celeste ab c° 8' Zinn original
23. Viola 4' Zinn Rekonstruktion
24. Flaute amabile 4' Holz, Zinn Teilrekonstruktion
25. Waldflöte 2' Zinn original
26. Mixtur 3fach 2 2/3' Zinn Teilrekonstruktion
27. Clarinette 8' Messing, durchschlagend  original

PEDAL C – d¹

28. Principalbaß 16' Holz original
29. Violonbaß 16' Holz Rekonstruktion
30. Subbaß 16' Holz original
31. Gedecktbaß 16' Holz original
32. Octavbaß 8' Holz original
33. Cello 8' Zinn Rekonstruktion
34. Flötenbaß 8' Holz gedeckt original
35. Octave 4' Zinn original
36. Posaune 16' aufschlagend original

KOPPELN

Manualkoppel II/ I
Pedalkoppel I
Pedalkoppel II
Superoctavkoppel I
Superoctavkoppel II
Suboctavkoppel I

SPIELHILFEN

Crescendowalze
eine freie Kombination
3 feste Kombinationen