Christoph-Gottlob-Donati-Orgel Lichtenwalde

Erbaut wurde das Instrument für die Schlosskapelle Lichtenwalde 1741 vom Orgelbauer Johann Christoph Gottlob Donati aus Glauchau. Rekonstruktionsgrundlage für alle 13 neugebauten Register bildeten die Donati-Instrumente in Weltewitz, Schlunzig, Beierfeld, Neuenmörbitz und Böhlen (Flauto traverso 4´).

Für das Register Viola da Gamba 8´ gibt es kein erhaltenes Beispiel aus der Familie Donati mehr. So wurde das Instrument in Kölleda besucht. Dieses wurde 1728 von Orgelbauer Johann Christoph Thielemann erbaut. Thielemann war Schüler von Christoph Donati dem Älteren. Dort gibt es noch eine alte Viola da Gamba 8´ und so konnte zumindest eine Verbindung zu Donati hergestellt werden.

Technisch restauriert und rekonstruiert wurde das Instrument 2009; die klangliche Rekonstruktion erfolgte von 2011 – 2012 durch unsere Werkstatt.

Auszüge aus dem Protokoll zur Abnahmeuntersuchung des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen am 28.08.2012 in der Schlosskapelle Lichtenwalde
Am 28.08.2012 wurden die durch die Orgelbauwerkstatt Vogtländsicher Orgelbau Thomas Wolf ausgeführten Arbeiten an der Donati–Orgel der Schlosskapelle Lichtenwalde untersucht. …

Es muss allen Beteiligten gedankt werden, dass sie sich dieser Herausforderung zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung eines hochwertigen Kulturdenkmals gestellt haben und diese Maßnahmen in sehr erfreulicher Weise abgeschlossen werden konnte. Durch die vorbildlich ausgeführte Restaurierung konnte ein wesentlicher Teil der Entstehungsgeschichte der Orgel, die zahlreiche offene Fragen und Probleme in sich barg, aufgedeckt werden, wodurch sich zusätzliche, unerwartete Einblicke in die Werkstattpraxis des Orgelbaus im 18. Jahrhundert ergaben. Durch die Translozierung und Restaurierung dieses singulären Instruments haben die Schlosskapelle Lichtenwalde und die sächsische Orgellandschaft ganz wesentlich an Reiz gewonnen.

Die von Orgelbauer Wolf ausgeführten Arbeiten basieren auf umfangreichen und detaillierten Untersuchungen an vergleichbaren Orgeln aus der Familie Donati und deren Umkreis. … Bei der Abnahmeprüfung wurden alle Bestandteile der Orgel in Augenschein genommen, alle Funktionen probiert und das Instrument zuletzt durch Herrn Domorganisten Albrecht Koch gespielt auf seinen Klang und die Spielbarkeit geprüft. …

Klanglich ist das Instrument, bedingt durch seine Baugeschichte und die damit verbundene Klangestalt, ein Rarissimum nicht nur in Sachsen, sondern vermutlich deutschlandweit, das jeden Organisten zu einem sorgfältigen Ausloten der zahlreichen und ungewöhnlichen klanglichen Möglichkeiten dieses Instruments und zu einem bewussten Registrieren anregen wird. Herr Koch würdigte diese Eigenschaften ebenso wie das große klangliche Gespür und die Sensibilität, mit der Herr Wolf den Pfeifenbau und die Intonation ausgeführt hat.

Die Abnahme der Arbeiten wurde von beiden Sachverständigen vorbehaltlos empfohlen.

Gezeichnet:
Dr. Host Hodick (Glocken- und Orgelsachverständiger)
Dr. Michael Kirsten (Abteilungsleiter Gebietsdenkmalpflege)

 

Disposition

Hauptwerk  C, D – c³

1. Principal   4' Prospekt, Zinn 75%
2. Gedackt   8' Holz gedeckt
3. Quinta   3' Zinn 35 %
4. Octava   2' Zinn 35 %
5. Sesquialtera 2fach Zinn 35 %;  C 1 1/3' - 4/5' c¹ 2 2/3' - 1 3/5'
6. Mixtur 3fach   1' Zinn 35 %

Hinterwerk  C, D – c³

7. Siffloete   1' Zinn 35 %
8. Gedacktflöte   4' Holz gedeckt
9. Flauto traverso   4' Holz offen
10. Viola da Gamba   8' C – H mit 5. zus.; ab c° Zinn 35%
11. Quintadena   8' C, D – H Holz ged.; c° Zinn 35 %

PEDAL  C, D – c¹

12. Subbaß 16' Holz gedeckt
13. Principalbaß   8' Holz offen

KOPPELN

Manualkoppel  II/ I  Schiebekoppel
Pedalkoppel   I
Tremulant aufs ganze Werk
Zimbelsterne
Temperierung nach
Neidhardt II (1724)
Stimmtonhöhe
466,20 Hz bei 15 °C